Melanies Glosse 

 

Hier finden sie einen Auszug meiner Kolumne `Melanies Glosse` welche ich seit 2009 für Magazin Venn Post in Brüggen schreibe (erscheint 1/4 jährlich).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein innerer Schweinehund gehört mir allein!

 

Das mit dem Abnehmen ist ja so ne Sache. Haben wir das nicht alle schon mit mehr oder weniger großem Erfolg versucht?! Wir geben auch nicht auf und kasteien uns immer wieder mit Diäten, und seit dem wir alle wissen, dass diese nicht gut für uns sind und vor allem der Jojo-Effekt dafür sorgt, dass die Freude von eher kurzer Dauer ist, heißt das neue Zauberwort: Ernährungsumstellung. Klar wissen wir doch eigentlich alle wie es funktioniert. Aber dieser dumme innere Schweinehund muss uns auch immer einen Strich durch die Rechnung machen. Dann sieht man wieder Heidi ihre neuen Freundinnen im TV präsentieren und wir überlegen gleich, ob wir wohl ein Foto von ihr bekommen würden. Würden wir?Womöglich nicht. Also wieder zu Weight Watchers`, Glyx`,Brigitte- Diat` oder `Abnehmen im Schlaf (gefiel mir am besten, funktioniert bei mir aber leider nicht so gut). Hungern und Co hin oder her, um Sport kommen wir nicht herum. Ich persönlich gehe gelegentlich in unseren Keller und trimme mich auf unserem Spinning-Rad. Nicht sehr spannend, aber wenn der Wille gerade stark genug ist muss ich das ausnutzen. Klappt meistens nur zwei Tage hintereinander und ich denke, alle die behaupten, dass sie so etwas gerne machen, schwindeln um mir das Leben schwer zu machen! Vor einigen Wochen habe ich mir vorgenommen die mir liebste Sportart zu betreiben: Aquapower. Im Zeitalter des Anglizismus hört sich “Wassergymnastik” nicht mehr chic genug an, habe ich mir von Fachfrauen sagen lassen.  An einem Montagabend fand ich mich in dem zweiten Schwimmbad ein, dessen Aquapower ich testen wollte. Ich wartete auf meine Freundin Caro. Sie hatte es zwar nicht nötig abzunehmen, wollte mir aber dennoch beistehen. Ich war froh als ich sie sah. Immerhin hatte ich sie in der letzten Woche zu einem Kurs geschleift, der keine Begeisterungssprünge bei uns ausgelöst hatte. Zum Einen hatten wir mit unseren Anfang 30 den Altersdurchschnitt der ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen rasant gesenkt, und zum Anderen sorgte die halbstündige, körperliche Betätigung für einen Pulsschlag, vergleichbar mit dem beim Zähneputzen. Ja, es hätte mich stutzig machen sollen dass sich die Veranstaltung davor `Gichtathleten nannte, aber ich hatte es für Ironie gehalten. Heute sollte aber alles anders und vor allem besser werden. Ich hatte aus zuverlässiger Quelle (und zwar von meiner Chefin) diesen Kurs empfohlen bekommen. Der erste Blick aufs Wasserbecken war positiv. Die Dame, die uns jedoch am Beckenrand erwartete, machte auf mich gleich einen merkwürdigen Eindruck. Optimistisch wie ich bin - und vor allem wollte ich mir endlich abgewöhnen meine Vorurteile kund zu tun - lächelte ich ihr zu. “Wir sind die Neuen” sagte ich. Sie stellte sich als Gabi vor und kassierte das Geld. Caro konnte sich vor Lachen kaum halten und flüsterte mir im vorbeigehen zu: “Die ist doch aus dem Frauenknast, das sehe ich sofort!” Dieser Eindruck war zwar auch mein erster gewesen, aber wie gesagt...Wir stiegen also ins Wasser und lauschten auf die nun folgenden Kommandos der bestimmt hochkompetenten Trainerin. “Wir laufen, meine Damen!” tönte sie in einem schroffen Ton, und wir gehorchten. Weitere Kommandos folgten. Nach jeder Anweisung nahm sie einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Zumindest hoffte ich, dass es sich um Wasser handelte. Die Bewegungen machten auf uns keinen besonders anspruchsvollen Eindruck. Ich meine auch, “Alibi-dahingedümpel” ist ganz nett, aber ich wollte ja tatsächlich etwas für mich und meinen Körper tun. Also war ich mit der Situation genauso unzufrieden wie Caro, die zwar nichts sagte, aber deren Blicke denen der letzten Woche in nichts nachstanden. “Zieh den Bauch ein, dann bringt das hier wenigstens etwas” wies sie mich an und ich bemühte mich, zu gehorchen und gleichzeitig meine Bewegungen zu koordinieren. Die Trainerin wurde immer schroffer mit ihren Aussagen: “Nicht Quatschen, ihr seid hier nicht beim Kaffeekränzchen!” Sie hatte zwar nicht unrecht, aber der Ton ging gar nicht. Also wir planschten zirka zehn Minuten vor uns hin, bis es dann zum Joggen ging. Wir sollten uns einen Gürtel umschnallen der half, nicht unterzugehen und dann im tiefen Becken laufen. Das hörte sich gut an und ich machte mich gleich auf den Weg. Allerdings stoppte ich gleich wieder als ich von hinten angeschrien wurde: “Sie sind doch neu. Habe ich ihnen erlaubt loszulaufen?” Unwillkürlich zuckte ich zusammen und fühlte mich gleich viele Jahre jünger. Leider hatte ich mein Ziel noch nicht erreicht und durch körperliche Betätigung die ewige Jugend errungen. Nein, ich fühlte mich zurück in den Sportunterricht der siebten Klasse versetzt. Frau Megges, die konnte mich nie leiden! Bestimmt war sie auch daran schuld, dass ich so wenig Interesse an Sport entwickelt hatte. Richtig, ich habe ein Sporttrauma! Das erklärt alles! “Hören Sie mir gut zu. Ich erkläre das hier nur ein mal” wurde ich aus meinen Gedanken gerissen und musste sofort Caro ansehen um sicher zu gehen, dass ich mir die Umgangsform der Trainerin mit ihren Klienten nicht einbildete. Caro stand etwas eingeschüchtert am Beckenrand und starrte die Wassergymnastin mit großen Augen an. Sie sah aus wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen und ich musste lachen. Aber auweia, ich verpasste die Einweihung in die Mysterien des Aquajoggings. Caro und die anderen Neulinge stürmten los und ich blieb über. Ja, siebte Klasse! Meine Frage “Was soll ich jetzt tun?” stieß wie erwartet auch nicht gerade auf Begeisterung. Gabi starrte mich mit einem finsteren Blick und mit fest zusammengepressten Lippen an und erklärte mir den hochkomplizierten Bewegungsablauf erneut, bevor ich die Freigabe für das tiefe Becken bekam. Ich joggte endlich drauf los und versuchte Caro und die anderen einzuholen. Permanent bekam jemand von der Trainerin einen Anpfiff: “Ey, die in dem roten Badeanzug, mal ein bisschen Tempo, oder ist das hier ein Schneckenrennen?”, “Och, brauchst Du ein Päuschen?” Und nun war auch ich wieder dran: “Hintern runter, du bist doch keine Ente!” Ja, ich hatte etwas Angst vor ihr und mir war klar, ich würde mich mit dieser Frau nicht anlegen. Wer weiß, wie sie an Land drauf war? Spontan kam mir aber ein Gedanke und ich paddelte was das Zeug hielt zu Caro. “Ich wurde gefragt, ob ich die Kolumne für die Venn-Post schreibe und ich habe gerade das erste Thema gefunden!” lachte ich. “Das glaube ich ja nicht. Am gackern wie die Hühner. Jetzt ist aber Schluss, sonst kommt das dicke Ende!” Wir wollten nicht herausfinden, was das dicke Ende war. Womöglich käme diese Frau noch ins Becken. Wir rissen uns am Riemen und verschoben alle weiteren Gespräche auf eine spätere Stunde. Natürlich war die Schlussfolgerung, dass wir diesen Kurs nie wieder besuchen wollten. Aber auf der anderen Seite war es ein unterhaltsamer Abend, mit Showeinlage (eines, wenn man es aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, neuen Comedian) und mit viel Gesprächspotential. Caro ist endgültig raus aus den Themen Aquapower, Aquagym, Wassergymnastik und Aquajogging aber ich überlege ernsthaft, Gabi noch mal einen Besuch abzustatten. Denn wenn ich einen Vorsatz breche dann doch nur, weil sich der innere Schweinehund querstellt oder weil ich weiterhin der Meinung bin, dass essen Lebensqualität bedeutet. Nicht weil ich dem Druck der siebten Klasse nicht gewachsen bin!