Melas Welt 

   

Hier findet ihr einen Auszug meiner Kolumne Melas Welt welche ich für die  Miss Rubensengel Cororation schreibe. Anfang 2012 haben wir die bekannt Kolumne zu einer Art Blog-Kolumne umgebaut. Dies bedeutet dass ihr neben den üblichen Texten auch aktuelle Berichtet auf www.missrubensengel.de zu lesen bekommt. 

 

 

 


Der Schlangentanz mit dem Testosteron

Wie kommt es eigentlich, dass Männer immer wieder beweisen müssen, dass sie uns Frauen überlegen sind? Ich beobachte dieses sonderbare Verhalten nicht nur bei meinem eigenen Exemplar dieser Gattung. Nein, auch bei fremden Männern, die ich in Verbindung mit ihrer Angetrauten, Freundin oder überhaupt in Anwesenheit eines weiblichen Wesens sehe, ist diese Verhaltensauffälligkeit wahrzunehmen. Nun gut, wenn ich nicht reagieren muss, kann ich die Demonstration von Männlichkeit beschmunzeln. Wenn ich selber betroffen bin fällt mir dieses jedoch schwer. Ich bin mir der Fertigkeiten meines Freundes, die durchaus zahlreich sind, bewusst und als ausübende Erzieherin weiß ich seine Talente natürlich zu loben und zu fördern wir Frauen möchten ja, dass keine Gabe verkümmert sondern positiv verstärkt wird, damit wir uns auch zukünftig daran erfreuen können. Aber es gibt auch Momente in einer Beziehung, da muss einer von beiden zugeben, dass er sich überschätzt und anders als erwartet der Partner besser, schneller, stärker etc ist. Womöglich dem Anderen sogar um Längen (oh weh, oh weh) überlegen ist. Auch uns Frauen fällt es nicht immer leicht zuzugeben, dass der Partner uns überrundet hat, aber wir versuchen zumindest (wenn es irgendwie erträglich ist) zuzugeben, dass wir verloren haben und versuchen dies mit Stil zu ertragen. Liegen wir mit der Nase vorn nehmen wir dies ebenfalls mit Anstand hin, auch wenn die innere Befriedigung enorm ist. Männer können dies jedoch nicht! Auch ohne dass etwas passiert oder sie ihr eigenes Können unter beweis gestellt haben, hören wir Dinge wie: “Rückwärts einparken schaffst du es da rein zu kommen?” Nein, schaffe ich natürlich nicht! Ich parke aus Prinzip nicht ein und platziere mein Auto immer mitten auf der Straße, “Also ich bezahle beim Frisör nur 14€”, oder “Wie, du traust dich nicht auf die Achterbahn du bist ein Angsthase!“.Und genau die letzte Aussage hat mich vor kurzem beinahe (wenn auch nur gefühlt) das Leben gekostet. Wir waren in einem Freizeitpark und wollten endlich mal ein Wochenende nur für uns. Ich hatte ein Themenhotel ausgesucht, und somit befanden wir uns mitten in Afrika. Die Zimmer waren wunderschön und sahen genau so aus wie ich mir eine Buschhütte vorstelle. Okay, auch ich glaube nicht, dass diese in Wirklichkeit ein Himmelbett und Wärmelampen bietet, aber dennoch war es toll dort. Der Hotelpark bot den ganzen Tag über Tiergeräusche von z.B. Fröschen, Grillen und gelegentlich hörten wir sogar einen Tiger seine Beute jagen. An diesem beeindruckenden Ort begann unser Kurzurlaub mit einem wunderschönen Candlelight-Dinner im Spezialitätenrestaurant des Hauses. Am nächsten Morgen sprangen wir dann ganz früh aus den Federn, frühstückten und düsten in den Park nebenan. Ich bin nicht zimperlich und gehe auf so gut wie jedes Gerät. So ließen wir uns fast fünfzig Meter in die Höhe schießen und wieder hinunterfallen. Natürlich kostete mich das auch Überwindung (aber alles ging so schnell, dass ich oben noch kreischte, als ich unten schon längst wieder angekommen war), ging auf eine höchst gefährliche Achterbahn (für die ich ein fast endloses Schlosswaldlabyrinth überwinden musste, bevor überhaupt auch nur ein Wagon zu sehen war) und auch die Holzbahn, für die wir in einer unglaublichen Menschenmasse anstehen mussten (“Ab hier noch 45 Minuten“ sage ich nur) wurde von mir bewältigt. Natürlich war dies nicht unser erster Besuch dieses Parks. Schon beim letzten Mal stand fest, dass die Achterbahn, welche nach einer Schlange benannt ist und die voraussetzte, dass man sie mit frei baumelnden Beinen befuhr, von uns nicht betreten wurde. Sie hatte nämlich mehrere Loopings und ich persönlich sah sie schon Menschen mit grünen Gesichtern und auch in noch schlimmeren Zuständen verlassen. Und genau hier passierte es wieder! Irgendwie bekam mein Freund den Drang seine Männlichkeit zu demonstrieren. Nicht dass er mir etwas beweisen müsste. Ich kenne ihn ja schon etwas länger und weiß wie toll er ist. Er wusste genau dass ich mich nicht trauen würde, versuchte mich jedoch trotzdem zu überreden mit der Schlange zu fahren. “Kommt gar nicht in Frage!” protestierte ich, fest davon überzeugt dass er nur angeben wollte und davon ausging, dass ich auf keinen Fall zusagen würde. Ich vermutete, dass er im Nachhinein sagen wollte: “Ich wollte ja, aber du hast dich ja nicht getraut!” Ich blieb jedoch bei meiner Meinung und bot ihm an, zu warten wenn er sich alleine trauen würde. Zu meiner Überraschung ging er tatsächlich. Ich suchte mir einen guten Platz um das Geschehen überblicken zu können und ging eigentlich bis zum Schluss davon aus dass er kneifen würde. Die Bahn raste mehrere Male so schnell an mir vorbei, dass ich kaum etwas erkennen konnte außer Füße. Beim bloßen Anblick wurde mir schon schlecht. Aber da plötzlich rasten Turnschuhe an mir vorbei, die mir sehr bekannt vorkamen. Er hatte es tatsächlich getan! Ich war überrascht aber auch beeindruckt und sehr stolz auf ihn. Ich begrüßte ihn auch gleich mit: “Boah Schnucki, dass du das gemacht hast WAHNSINN! Wie war es denn?” “HAMMER, wirklich klasse!”  Wenn die Gegebenheiten jetzt andersherum gewesen wären, hätte ich als Frau das Thema damit auf sich beruhen lassen und gut. Aber Männer sind da ja dann ganz anders wie wir wissen. “Komm, wir gehen jetzt zusammen. Stell dich nicht so an.” Ich lehnte ab und von da an konnte ich mir anhören wie feige ich war usw. Auch das Abendessen, diesmal im afrikanischen Buffetrestaurant war nicht annähernd so romantisch wie das vom Vortag. Das lag hauptsächlich an meiner Laune. Sie war nicht die beste. Zum einen, weil er dieses Ereignis immer wieder auf den Tisch bringen musste, und zum anderen überlegte ich ernsthaft, ob ich diese Schmach auf mir sitzen lassen konnte. “Meine Güte, vor dir waren Tausende schon auf der Bahn, so toll ist das nun auch nicht!” versuchte ich dem Thema ein Ende zu setzen. “Aber du warst noch nicht. Du bist ein Angsthase!”Der Abend nahm erst eine positive Wendung, als ich das dritte Glas Wein aus, das nächste schon bestellt hatte und die Zusage gab, am nächsten Tag ebenfalls die Schlange zu bezwingen.Der nächste Morgen kam jedoch schneller als erhofft. Ich wachte auf und dachte im ersten Moment, der Tiger hätte endlich einen Menschen erlegt. Ich musste aber feststellen, dass der Sound des Hotelparks schon angestellt worden war und die Schlangenbahn ihre ersten Runden mit kreischenden Besuchen drehte. Die erste Kurve und der direkt darauf folgende Looping führte an unserem Fenster vorbei und das Grauen packte mich. Hatte ich wirklich versprochen zu...? Selbst wenn, er hatte ebenfalls etwas getrunken und würde sich bestimmt nicht mehr erinnern. Pfeifend kam er aus dem Bad: “Und, bist du bereit für die Fahrt deines Lebens?” Um Gottes Willen, das könnte die letzte Fahrt meines Lebens werden, schoss mir in den Kopf. Vor Herzrasen konnte ich das Frühstück kaum genießen, und der Gang rüber zum Park ist mir nie so schwer gefallen. Die ganzen Artikel gibt es auf www.missrubensengel.de in Melas Welt zu lesen!